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ANWALT GÖDDECKE SPRICHT ÜBER REIBUNGSLOSE UNTERNEHMENSNACHFOLGE

Am 21.03.2018 ging es auf dem 3. Unternehmens-Nachfolgetag darum, wie der generationsübergreifende Betriebswechsel gelingen kann. Ein breites Spektrum an Vorträgen und konkrete Praxisbeispiele machten deutlich, wie es erfolgreich geht.

Ganz gleich, ob das Unternehmen von externer Seite in die Zukunft geführt wird oder Familienmitglieder das Ruder in die Hand nehmen werden, alle Beiträge beleuchten die betriebliche Weiterführung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Anwalt und Mediator Hartmut Göddecke erklärt in seinem Beitrag,  welche praxiserprobten Wege es gibt, um einen möglicherweise auftretenden Störfall entweder erst gar nicht aufkommen zu lassen oder ihn auf gar keinen Fall zu einem GAU werden zu lassen, selbst wenn Unterschiedlichkeiten zunächst unüberwindbar scheinen.

Keine Standardantworten in der Unternehmensnachfolge

Wer in den Prozess der Unternehmensnachfolge einsteigt, begegnet vielen Fragen. Das gilt für alle an dem Vorgang Beteiligten – gleich ob als Übergeber oder Erwerber.  Wer soll den Betrieb weiterführen? Wie hoch ist der Wert des Unternehmens zu veranschlagen? Wie erreiche ich eine gerechte Lösung für meine Familie? Was sind die Auswirkungen auf meine Alterssicherung? Wie wird was finanziert? Und schlussendlich: Wie geht das alles reibungslos über die Bühne?

Interview

 

Die Antworten auf dieses Fragenbündel gibt es nicht von der Stange. Sie müssen in vielen Gesprächen mit allen Beteiligten erarbeitet und geklärt werden. Zu den Gesprächspartnern zählen die Familienmitglieder, die Personen, denen das Wohl des Betriebes wichtig ist, und natürlich auch externe Ratgeber. Eines tritt schnell zu Tage: unterschiedliche Interessen. So versteht zum Beispiel ein Firmenübernehmer unter einem fairen Preis etwas anderes als der Abgebende eines von ihm über Jahrzehnte geführten Betriebes. Und selbst Familienmitglieder haben oft unterschiedliche Vorstellungen, wenn es um die Weiterführung von Betrieben geht; so beispielsweise, weil die Zukunftsaussichten von der nachfolgenden Generation anders eingeschätzt werden als von den vorher in der Verantwortung Stehenden.

Differenzen frühzeitig lokalisieren

Wie sich in der Praxis zeigt, fallen Erwartung und die spätere Erfüllung nicht selten auseinander. Manchmal schon zu einem recht frühen Zeitpunkt, wenn die Differenzen einfach unter den Teppich gekehrt werden, um die Betriebsnachfolge nicht zu gefährden. Wie Göddecke in seinem Impulsvortrag „Konflikte und Kommunikation – So vermeiden Sie Reibungsverluste von Anfang an“ erklärt, sollte deshalb auf Grund seiner Erfahrung der Konfliktfall schon in der Planungsphase mit berücksichtigt werden. Hier gilt es, frühzeitig die Weichen zu stellen, bevor die Fetzen fliegen. Das gilt insbesondere – wenngleich nicht nur – in den Fällen, in denen der frühere geschäftliche Leiter über den Übergabezeitpunkt hinaus mit seinem know-how zur Verfügung stehen soll.

Wer Wert darauf legt, dass Vertrauen nach und nach wächst und nicht verschwindet oder dass das Interesse an dem Wohlergehen des Unternehmens bleibt, sollte gleich bei den ersten Gesprächen einen gut strukturierten Kommunikationsprozess vorsehen. So erspart man sich von Anfang an Zeit, anstatt sich in Vorwürfen zu ergehen. Aus der Erfahrung bei erbbezogenen Auseinandersetzungen, die mit Unternehmensübergaben zusammenhängen und in denen keine klärenden Regelungen vorhanden sind, berichtet Anwalt Göddecke, dass nicht selten 6-stellige Summen an Gerichtskosten und Anwaltsgebühren anfallen – ganz zu schweigen von der Zeit, die durch den Streitfall unwiederbringlich aufgefressen wird.

Eskalationen entgegen treten

Darüber hinaus spricht noch ein anderer Punkt für die Implementierung eines gestaltenden Dialogs: Ist eine gewisse Schwelle überschritten, so neigen Streithähne dazu, ein Fass nach dem anderen aufzumachen. So zeigen gerade diese Fälle, dass die Parteien oftmals gar nicht mehr an einer wirtschaftlich sinnvollen Lösung interessiert sind, wenn mit dem gerichtlichen Klingen kreuzen angefangen wird. Oft geht es dann nicht nur um Recht oder Geld, sondern Emotionen regieren die Auseinandersetzung.

Verhalten im späteren Konflikt

Somit liegen die Vorteile eines zeitig eingerichteten Kommunikationsprozesses – auch Mediation genannt – klar auf der Hand: Mit Hilfe eines spezialisierten Dritten wird ein Konflikt schon in einem frühen Stadium angegangen. Das spart vor allem viel Zeit, da etwa 80 – 90 % aller Mediationen erfolgreich enden und den Weg in Richtung Zukunft ebnen. Der Erfolg der Mediation liegt vor allem darin begründet, dass nicht in erster Linie konfrontativ gestritten, sondern lösungsorientiert verhandelt wird. Bei der Lösung wird das Schwergewicht auf die Interessen beider Parteien gelegt – darin liegt ein großer Unterschied zum (schieds-)gerichtlichen Verfahren.

Wer denkt, dass der Weg zu einer Mediation erst dann beschritten werden sollte, wenn die Fetzen fliegen, irrt: Schon in der Planungsphase hat sich in der Praxis von Anwalt Göddecke gezeigt, dass ein sinnvolles Ergebnis nur dann zu Stande kommt, wenn in einem moderierten Prozess alle Aspekte auf den Tisch kommen und zu einer interessengerechten Lösung mit rechtlicher Verbindlichkeit zusammengeknüpft werden.

Die Nachfolgeexperten e.V. – Ansprechpartner, wenn es um betriebliche Nachfolge geht

Das allen Teilnehmern des 3. Unternehmensnachfolgetages zur Verfügung gestellte Hand-out gibt nicht nur eine Essenz des Vortrages wieder, sondern auch konkrete Tipps und Vertragsformulierungen für den ressourcenschonenden Umgang im Streitfall. Das Hand-out kann als pdf heruntergeladen werden.

Der 3. Unternehmensnachfolgetag ist von Die Nachfolgeexperten e. V. in dem Rheinhotel Dreesen in Bonn-Bad Godesberg am 21.03.2018 durchgeführt worden. Die Nachfolgeexperten e. V. bietet die Begleitung des gesamten unternehmerischen und privaten Nachfolgeprozesses aus einer Hand. Zu den Mitgliedern zählen u.a. Anwälte, Steuerberater, Organisationsfachleute, Vermittlungsexperten von Unternehmen, Rekrutierungsberater und Consultants für spezielle Fachbereiche als auch Vermögensberater, die jeweils auf eine jahrzehntelange Praxis in ihrem Gebiet zurückgreifen können und bei Bedarf eingeschaltet werden. Die Mitglieder beraten nicht nur bei Fragen der betrieblichen, sondern auch der privaten Nachfolge – sei es bei der Testamentserstellung oder Testamentsvollstreckung als auch bei Vorsorgethemen, wie Vorsorgevollmacht, Betreuungsvollmacht oder Patientenverfügung.

So können Beratene die Vorteile für sich nutzen: Da ist zum einen die Erfahrung des Expertenkreises generell für alle Bedürfnisse rund um die Vermögensnachfolge und zum zweiten das eingeübte Zusammenspiel dieser Experten, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht, die das Wissen des Einzelnen übersteigen. So wird Zeit und Geld gespart, da ausschließlich die spezielle Fachkompetenz hinzugebucht werden kann, die unbedingt erforderlich ist, um ein konkretes Ziel zu erreichen.

Das Handout zum Vortrag finden Sie hier

Weitere fachspezifische Links:

Mehr zum Thema „Erben und Vererben“ finden Sie unter „Missverständnisse lösen, Zielkonflikte vermeiden, Erbstreit beilegen“

Mehr zum Thema „Mediation“ finden Sie unter „Mediationsfelder bei Unternehmensnachfolge“ 

und „Streit schlichten für Erben, Erblasser und Erbengemeinschaften“

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